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Was zeichnet ein "gutes" Buch aus? Gibt's sowas überhaupt? Oder ist ein Buch, wie Oscar Wilde meinte, entweder "gut oder schlecht geschrieben, sonst nichts"?

Wir finden immer wieder Beispiele im Bereich der und , dass ganz unterschiedliche Stile, Themen, Aufmachungen, Ansätze und Ideen uns ergreifen, erschaudern oder aufatmen lassen, sprich: in andere Welten entführen.

Als Anregung hierzu möchten wir Euch im einen kurzen Text von Peter Härtling mitgeben:

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@fundevogel
Moin,
wenn ich ausschließlich Großbuchstaben sehe, dann weiß ich, dass für mich das Lesen anstrengend wird.
😐
Da ist für mich das „Eintauchen“ sehr schwer …

@palindromi In der Bildbeschreibung haben wir den Text in Groß- und Kleinbuchstaben notiert - aber Du hast recht, es ist nicht das leserlichste Format 🤔

@fundevogel

Vielleicht vermeiden die Gestalter eines »guten Buches« zunächst einmal Jan Tschicholds 10 häufige Kardinalfehler der Buchgestaltung, als da wären:

Abwegige Formate: Unnötig große, unnötig breite und unnötig schwere Bücher. Bücher müssen handlich sein. Bücher, die breiter sind als die Proportion 4:3 (Quart), ganz besonders quadratische, sind häßlich und unpraktisch. die wichtigsten guten Proportionen für Bücher sind und bleiben 3:2, Goldener Schnitt und 4:3. Das Zwitterformat A5 ist ganz schlecht, nur das Zwitterformat A4 ist manchmal nicht völlig ungeeignet. Der Buchblock zu breiter Bücher, zumal der quadratförmigen, senkt sich vorne. Bücher, die breiter sind als 25 Zentimeter, lassen sich nicht leicht aufstellen und aufbewahren.
Ungegliederter, gestaltloser Satz als Folge der Unterdrückung der Einzüge. Wird leider durch die gleichartige, falsche, irrig als »modern« angesehene Schreibweise der Briefe gefördert, die die Handelsschulen lehren. Man glaube nur nicht, daß das eine »Geschmacksfrage« sei. Hier scheiden sich Leser und Nichtleser.
Anfangsseiten ohne jedes Initial, die ganz links stumpf anfangen und aussehen wie eine zufällige Seite des Textes. Man meint, etwas anderes als den Anfang vor sich zu haben. Der Kapitelanfang muß durch einen breiten weißen Raum über der Anfangszeile, durch ein Initial oder etwas anderes ausgezeichnet werden.
Gestaltlosigkeit als Folge des Unsinns, nur einen Grad für alles zuzulassen. In einem Buche, dessen Kapitelanfänge nicht akzentuiert sind und dessen Titel und Druckvermerk aus dem Grade der Grundschrift, sogar ohne Benützung reiner Versalzeilen, gesetzt sind, findet sich der Leser nur schwer zurecht.
Weißes und gar hochweißes Papier. Höchst unangenehm für die Augen und ein Vergehen an der Volksgesundheit. Eine schwache Tönung (elfenbein und dunkler, jedoch niemals crème), die aber ja nicht aufdringlich sein darf, ist fast immer das Beste.
Weiße Decken. Genau so abwegig, weil so empfindlich, wie weiße Anzüge.
Gerade Rücken bei Deckenbänden. Der Rücken gebundener Bücher muß schwach gerundet sein; sonst ist das Buch nach der Lektüre windschief, und die mittleren Lagen sind »gestiegen«.
Längslaufende Riesenschriften auf Rücken, die für eine waagrecht laufende Beschriftung breit genug wären. Man braucht den Rückentitel nicht von weither lesen zu können.
Gar kein Rückentitel. Unentschuldbar bei Büchern, die über 3 Millimeter dick sind. Wie soll man eine solche Broschüre wiederfinden können? Der Verfasser darf nicht fehlen, denn dieser bestimmt oft den Standort in einer Bücherreihe.
Unkenntnis oder Mißachtung des richtigen Gebrauchs von Kapitälchen, Kursiv und Anführungszeichen

Oder ist das alles Old Schicht im Zeitalter der variablen Gestaltung auf den Bildschirmen? (Je nach verwendeter Software sieht dieser Text ja auf Eurem Bildschirm schon wieder ganz anders aus… aber es geht um Bücher, nicht um Computer, also…)

Alles Gute für Euch.

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